Präsidentenwechsel beim FOCS

Interview von Raphael Weibel mit dem abtretenden Präsidenten und dem neuen Ehrenpräsidenten des FOCS Georg Spoerli

Raphael Weibel

Das ganze Interview

Warum bist Du gerade der Marke Ferrari verfallen?
Die Zeit, in die ich hineingeboren wurde, hatte erst gerade einer jungen Marke namens „Ferrari“ zur Berühmtheit verholfen. Piloten, die die damalige Formel 1 fuhren, waren „Helden“ mit ölgeschwärzten Gesichtern und furchtlosen Blicken . . . Juan Manuel Fangio, Stirling Moss, Maurice Trintignant, Giuseppe Farina, Mike Hawthorn, Graf Berghe von Trips, um nur einige von Ihnen zu nennen. Zeitungen und Illustrierte waren voll von schreckerfüllenden Ereignissen und unwiederholbaren Siegesfahrten. Wenn sich meine Lesekenntnisse auch noch auf bescheidenem Niveau hielten, die Bilder faszinierten mich umso mehr - besonders das rote „Ding“ mit dem Pferd . . .
Als ich eines Tages als Dreikäsehoch ein solches „Ding“ parkiert am Lago Maggiore entdeckte und durchs Seitenfenster den berühmten Hupen-Knopf inmitten des Lenkrads mit dem schwarzen „Cavallino rampante“ auf gelbem Hintergrund erspähte, war’s um mich geschehen - das wollte ich eines Tages haben . . ! Nicht im Entferntesten hätte ich je gedacht, eines Tages die Hand eines Michael Schumachers - dem wohl berühmtesten Ferrari-Piloten - zum Gruss drücken zu dürfen . . .

45 Jahre Mitglied im FOCS

…davon die letzten 10 Jahre als Präsident, sind beeindruckend. Wie haben sich in dieser Zeit die Bedürfnisse der Mitglieder verändert? Welche Herausforderungen siehst Du für die Zukunft des FOCS?
Aufgrund der wenigen Fahrzeuge wurde der Club als Bugatti-Ferrari-Owners-Club aus der Taufe gehoben. Als damals jüngstes Mitglied mit einem nicht mehr ganz so „taufrischen“ 330 GTC wurde ich im BFOCS so gerade noch „geduldet“. Die Marke Ferrari war mittlerweile 25 Jahre alt und neben Bugatti ebenfalls weltberühmt geworden. Noch sprach niemand von Stückzahlen und Sammlerobjekten oder gar von Originalität, man gab sich einfach der Leidenschaft hin. Berühmte Couturiers wie Pinin Farina oder Zagato verpassten den Fahrzeugen noble Karosserien unter deren Hauben gezähmte Rennmotoren die Nackenhaare zum Sträuben brachten. Man tauschte sich über Leistung, Laufeigenschaften oder technischen Kummer aus, die Einladungen wurden noch mit Schreibmaschine geschrieben. Die kontinuierliche Produktion von Ferrari Strassenfahrzeugen überholte langsam aber sicher den Status der Bugattis, so dass sich der Club aufteilte und die Ferraristi ihre eigene Gemeinschaft bildeten. Eine Ausfahrt unter Gleichgesinnten war damals ein Highlight, die Auswahl an solchen Anlässen dünn gesät. Heute spricht man von Marketing und der Markenwert wird professionnel gepflegt und geschützt. Das Bedürfnis nach Leidenschaft hingegen ist ungebrochen. Unter der Flut von Angeboten und Grossanlässen gilt es fortan den Menschen vermehrt in den Mittelpunkt zu stellen und ihm in flexibel organisierten Anlässen Oasen von Erlebnis und Exklusivität im kleineren Rahmen zu ermöglichen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen . . .

Was hat Dich als Präsident am meisten gefreut und stolz gemacht?
Mit meinem Amtsantritt vor 10 Jahren verbunden war ein Tief in der Struktur der eigenen Reihen - den Weg daraus herauszufinden und den Club zu einem neuen Leben zu erwecken erfüllt mich heute mit Befriedigung. Das Gelingen verdanke ich auch den Mitgliedern des Vorstands, welche sich in dieser Zeit in unzähligen Stunden zum Wohl des Clubs eingesetzt haben. Besonders freuen mich die vielen, interessanten Freundschaften mit Menschen unterschiedlichsten Könnens und Engagements.

Darf (oder soll) es nach Dir bald einen Ferrari mit reinem Elektroantrieb geben?
Alles ist möglich, aber in diesem Fall sind das nicht die Primärkriterien, die man sich bei der Wahl eines solchen Fahrzeugs andenkt und aussucht. Die nach wie vor geringen Stückzahlen sowie die geringen Laufleistungen dieser Fahrzeuge rufen nicht nach Hybrid und Elektro, da wäre ein wasserstoffbetriebener Motor schon die höhere ingeniöse Kunst.

In welchem Ferrari fühlt sich Milie (Anmerkung d. Redaktion: Milie ist der Hund von Georg und Martine) sichtlich am wohlsten? Und ihr Herrchen?
Nachdem uns der 330 GTC über 45 Jahre durch’s Leben begleitet hat, fällt es einem unschwer sich vorzustellen, welcher Stellenwert als „Jungbrunnen“ dieser nach wie vor einnimmt. Allerdings sind wir heute, was Platzbedarf, Reisekomfort gepaart mit Leistung anbetrifft, gerne der Wahl Milies unterlegen, welche nach dem FF den GTC4Lusso zum Liebling erkürt hat und uns damit Ferrarifahren zu Dritt mit nicht allzu knappem Gepäck ermöglicht.

Raphael Weibel